Neurodermitis am Ohr – Symptome erkennen & Schübe lindern

Milde Neurodermitis am Ohr mit Rötung und trockener Schuppung nahe der Ohrfalte

Neurodermitis am Ohr kann besonders lästig sein, weil Juckreiz, Risse und Krusten genau dort auftreten, wo Reibung durch Brille, Maske oder Kopfhörer ständig mitspielt. Im ectocare-Ratgeber erfährst du, wie du typische Zeichen einordnest, häufige Auslöser am Ohr erkennst und welche Schritte in akuten Phasen und dazwischen sinnvoll sind, damit die Haut wieder in ruhigere Bahnen kommt.

Wie sieht Neurodermitis am Ohr aus?

Neurodermitis am Ohr erkennst du meist an juckenden, geröteten Ekzemen mit trockener Schuppung, Krusten oder kleinen Rissen. Je nach Phase kann die Haut nur rau und trocken wirken oder auch nässen. Typisch sind Stellen an der Ohrmuschel, am Eingang des Gehörgangs, am Ohrläppchen und in der Falte hinter dem Ohr.

Typische Zeichen am Ohr, je nach Phase

Akut gerötetes Ekzem (Neurodermitis) in der Falte hinter dem Ohr mit feiner Schuppung

Akut entzündet (Schub):- Rötung und deutliche Reizung, oft mit Brennen oder Spannungsgefühl
- Starker Juckreiz, häufig mit Kratzspuren an Ohrmuschel oder hinter dem Ohr
- Nässen oder glänzende, „feuchte“ Areale
- Krusten oder Schorf, wenn Flüssigkeit antrocknet

Chronisch trocken (längerer Verlauf):- Trockene, raue Haut mit feiner oder grober Schuppung
- Kleine Risse (Fissuren), besonders in Falten und Übergängen
- Verdickte Haut und stärkere Hautlinien, wenn die Stelle lange gereizt bleibt

Dass die Beschwerden phasenweise kommen, ist typisch. Laut Mareike Müller, Ärztin, treten bei Neurodermitis „entzündliche Ekzeme mit quälendem Juckreiz“ schubweise auf, „wechselnd mit beschwerdefreien Perioden“[1].

Mini-Check: Diese Ohr-Stellen sind häufig betroffen

  • Ohrmuschel (auch die „Kuhle“ der Ohrmuschel)
  • Eingang des Gehörgangs (der sichtbare äußere Rand)
  • Ohrläppchen (oft trocken, rissig, manchmal mit Krusten)
  • Falte hinter dem Ohr (postaurikuläre Falte), dort entstehen schneller Risse durch Feuchte und Reibung

Was ist Neurodermitis bzw. Ekzem am Ohr?

Infografik: Was man bei Neurodermitis am Ohr meiden sollte und Warnzeichen

Neurodermitis ist ein atopisches Ekzem, also eine entzündliche Hauterkrankung mit gestörter Hautbarriere und Neigung zu Juckreiz-Schüben. „Ekzem“ ist der Oberbegriff für ähnliche Entzündungen, die unterschiedliche Auslöser haben können. Am Ohr wird die Haut besonders schnell gereizt, weil sie dünn ist und durch Reibung und Feuchtigkeit zusätzlich belastet wird.

Kurz-Glossar (1 Satz pro Begriff)

  • Neurodermitis: Chronisch-entzündliche Hauterkrankung aus dem atopischen Formenkreis mit schubweisem Verlauf.
  • Atopisches Ekzem: Medizinischer Begriff für die Hautveränderungen bei Neurodermitis.
  • Ekzem: Sammelbegriff für entzündete, juckende Hautreaktionen, die verschiedene Ursachen haben können.
  • Dermatitis: Bedeutet wörtlich „Hautentzündung“ und wird im Alltag oft synonym zu Ekzem verwendet.

Wichtig ist die Abgrenzung: Der NHS (National Health Service) betont, dass es verschiedene Ekzemformen gibt, zum Beispiel Kontaktdermatitis, und dass Diagnose und Behandlung je nach Form unterschiedlich sein können[2].

Warum das Ohr so schnell gereizt ist

  • Dünnere Haut: Weniger „Puffer“ gegen Reizung und Austrocknung.
  • Reibungspunkte: Brillenbügel, Maskenbänder, Helmriemen oder Kopfhörer drücken immer wieder auf dieselben Stellen.
  • Feuchtigkeit und Okklusion: Haare, Mützen oder Over-Ear-Kopfhörer halten Wärme und Schweiß an der Haut.

Zur Einordnung: Ekzeme sind insgesamt häufig und betreffen je nach Altersgruppe einen relevanten Anteil der Bevölkerung; grundsätzlich können auch die Ohren betroffen sein. Betroffen sind etwa 15-30 % der Kinder und 2-10 % der Erwachsenen[3].

Warum entsteht Neurodermitis am Ohr?

Neurodermitis am Ohr entsteht, wenn eine ohnehin empfindliche Hautbarriere aus dem Gleichgewicht gerät und die Haut dann übermäßig entzündlich auf Reize reagiert. Typisch sind Trigger wie Reibung durch Brillenbügel oder Masken, Feuchtigkeit und Schweiß, Kälte und Wind sowie Kontakt zu Metallen oder Haarprodukten. Es gibt keine einzelne „Organursache“, sondern ein Zusammenspiel aus Veranlagung, Immunsystem und Hautbarriere.

Die 3 Kernmechanismen, einfach erklärt

  • Barriere-Störung: Die Haut verliert leichter Feuchtigkeit und lässt Reize schneller „durch“.
  • Entzündungsreaktion: Das Immunsystem reagiert stärker, auch auf eigentlich harmlose Auslöser.
  • Juckreiz und Kratzkreislauf: Juckreiz führt zu Kratzen, das die Barriere weiter schädigt und die Entzündung verstärken kann.

Die Frage nach dem „einen Auslöser im Körper“ lässt sich daher klar beantworten: Neurodermitis wird als Zusammenspiel mehrerer Faktoren verstanden, vor allem Barriere und Immunreaktion. „Die Ursachen der Neurodermitis werden als Zusammenspiel verschiedener Faktoren gesehen: vor allem gestörte Hautbarriere und eine genetische Neigung des Immunsystems, übermäßig auf harmlose Reize zu reagieren.“ (Dr. Katharina Kremser, Ärztin)[4]

Typische Trigger am Ohr, mit Mechanismus und Alltagssituation

Trigger am Ohr Typischer Mechanismus Typische Situation am Tag
Brillenbügel, Maskenband Reibung und Druck an einer festen Kontaktstelle Druckstelle oberhalb des Ohrläppchens nach langem Tragen
Kopfhörer, Ohrstöpsel, Hörgeräte Reibung plus Wärmestau, teils Materialkontakt Juckreiz am Eingang des Gehörgangs nach 2 bis 4 Stunden
Schmuck, Metall (z. B. nickelhaltig) Kontaktreaktion auf Metall, zusätzlich Barriere-Reizung Ekzem am Ohrläppchen nach neuen Ohrringen
Schweiß, Feuchtigkeit Aufweichen der Haut, mehr Reibung in Falten Nässe hinter dem Ohr nach Sport oder Hitze
Kälte und Wind Austrocknung und Mikrorisse Risse in der Falte hinter dem Ohr im Winter
Haarprodukte (Shampoo, Gel, Spray, Haarfarbe) Reizung oder Kontaktallergie, v. a. am Haaransatz und hinter dem Ohr Brennen und Schuppung nach Produktwechsel

Genetik, ohne Determinismus

Neurodermitis häuft sich in Familien. Bei familiärer Vorbelastung steigt das Risiko für Kinder deutlich an, besonders wenn beide Elternteile betroffen sind, dann bis zu fast 80 %[5]. Das ist ein Risikohinweis, keine Vorhersage für den Einzelfall.

Was bedeutet Ausschlag hinter den Ohren?

Ein Ausschlag hinter den Ohren kann durch Neurodermitis in der Hautfalte entstehen, aber auch durch ein allergisches Kontaktekzem, zum Beispiel auf Haarprodukte oder Metalle, oder durch ein seborrhoisches Ekzem. Hinweise liefern Verlauf, Verteilung und Triggerbezug: Neurodermitis juckt oft stark und wirkt trocken bis rissig, Kontaktekzem folgt häufig einem klaren Kontaktmuster, und seborrhoische Schuppung sitzt oft auch an Kopfhaut und Augenbrauen.

Hinter dem Ohr kann es außerdem Mischbilder geben. „Häufig ist Neurodermitis die Ursache für juckende Ohren; Neurodermitis‑Läsionen können auch am Ohr auftreten und durch gestörte Hautbarriere zusätzlich ein allergisches Kontaktekzem entstehen.“, so Prof. Dr. Regina Fölster-Holst, Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel[6].

Vergleichsmatrix: Häufige Ursachen hinter dem Ohr

Variante Typische Stelle Leitsymptom Typische Trigger Verlauf/Verteilung Hinweise, die eher dagegen sprechen
Atopisches Ekzem hinter dem Ohr Falte hinter dem Ohr, Übergang Ohrläppchen zur Wange Starker Juckreiz, trocken bis rissig, teils Krusten Reibung, Feuchte, Klima, bestehende Atopie Häufig beidseitig oder wiederkehrend an „Lieblingsstellen“ Sehr scharf begrenzter Rand nur dort, wo ein Produkt punktuell auflag
Allergisches Kontaktekzem Kontaktzonen: Ohrläppchen (Ohrring), hinter dem Ohr (Haarprodukte), Bügelauflage Juckreiz, Rötung, oft deutlicher Rand, teils Nässen Nickel, Duftstoffe, Konservierer, Haarfarbe, Shampoo Häufig zeitlicher Bezug zu neuem Produkt, manchmal einseitig Kein Triggerwechsel und trotzdem streng auf Kontaktzone begrenzt
Seborrhoisches Ekzem Hinter dem Ohr am Haaransatz, oft zusätzlich Kopfhaut und Augenbrauen Gelblich-fettige Schuppung, Rötung, Juckreiz variabel Talgreiche Areale, Hefepilz-Beteiligung (Malassezia) Oft mehrere seborrhoische Areale gleichzeitig Nur eine einzelne, sehr trockene, rissige Stelle ohne Kopfhautbeteiligung

Trigger hinter dem Ohr, die besonders oft auffallen

  • Haarprodukte, die beim Ausspülen in die Falte laufen
  • Metallkontakt durch Brillenbügel oder Schmuck
  • Reibung und Feuchte in der Hautfalte, besonders bei langen Haaren oder Mützen

Wenn zusätzlich starkes Schmerzgefühl oder auffälliges Sekret (z. B. übel riechend) dazukommt, passt das weniger zu einem „reinen“ Ekzem und eher zu einer zusätzlichen Entzündung.

Was tun bei Neurodermitis oder Ekzem am Ohr?

Wenn du am Ohr ein Ekzem hast, ist der wichtigste Hebel, die gereizte Hautbarriere schnell zu beruhigen und dann stabil zu halten. Praktisch heißt das: im Schub Entzündung und Juckreiz kontrollieren, anschließend konsequent rückfetten und schließlich die persönlichen Trigger am Ohr reduzieren. So sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass neue Reize sofort wieder eine Entzündung anstoßen.

Stufenplan fürs Ohr: 3 Phasen, 3 Beispiele

  1. Akut beruhigen: Kühle Umschläge für kurze Zeit, Reibung konsequent reduzieren (z. B. Kopfhörer pausieren), nässende Stellen eher sanft trocknen lassen statt zu rubbeln.
  2. Barriere stabilisieren: Parfümfreie, rückfettende Basispflege regelmäßig auf die äußere Ohrhaut, geeignete Textur je nach Trockenheit (Creme) oder stärkerem Schutzbedarf (Salbe), Übergänge wie Falte hinter dem Ohr gezielt eincremen.
  3. Trigger reduzieren: Materialkontakt prüfen (Ohrringe, Kopfhörerpolster, Brillenbügel), Haarprodukte vereinfachen (weniger Duftstoffe, weniger „Leave-in“ am Ohr), Druckstellen entschärfen (Maskenhalter, weichere Bügelenden).

Zur Basisroutine gehört vor allem konsequentes Pflegen auch außerhalb des Schubs. Laut Dr. Browning gilt: „Verwenden Sie ekzemfreundliche Pflege auch ohne akuten Schub: regelmäßig und großzügig eincremen. Ist die Haut nicht offen oder nässend, eignen sich fetthaltige Cremes oder Vaseline/duftfreie Salben.“[7]

Ärztlich verordnete antientzündliche Optionen können je nach Bild sinnvoll sein. In der Literatur werden bei Kontaktdermatitis auch niedrigpotente topische Kortikosteroide wie 1 % Hydrocortison als Option genannt, kombiniert mit Triggervermeidung[8]. Welche Auswahl und Anwendung bei dir passt, wird individuell festgelegt.

Schonende Hilfe nach Problemtyp (äußeres Ohr)

Problem Ziel Schonende Maßnahmen am Ohr
Juckreiz Reizspitze abfangen 5 bis 10 Minuten kühlen, Reibung durch Kopfhörer/Maskenbänder reduzieren, kurze Fingernägel gegen unbewusstes Kratzen
Nässen Haut beruhigen, Mazeration vermeiden Feuchtigkeit sanft abtupfen, Luft an die Stelle lassen, keine okklusiven „dicken Schichten“ auf nässender Haut
Krusten/Schorf Lösen ohne Verletzen Mit lauwarmem Wasser oder milder Waschpflege anweichen, nicht abknibbeln, danach vorsichtig pflegen
Trockenheit/Risse Lipidschutz verbessern Parfümfreie, fetthaltige Pflege dünn auftragen, besonders Falte hinter dem Ohr und Ohrläppchen

Von Barrierepflege zur konkreten, steroidfreien Option

Wenn du merkst, dass dein Ohr-Ekzem immer wieder „anspringt“, obwohl du Trigger schon reduzierst, lohnt sich der Blick auf eine Pflege, die die Barriere möglichst reizarmsensibel stabilisiert, gerade an dünnen Arealen wie Ohrläppchen und hinter dem Ohr.

Wenn dein Ekzem am Ohr vor allem durch trockene, gereizte Haut getrieben ist, führt der direkte Weg über die Barriere: Genau hier setzt medEctoin® an. Der Wirkstoff stabilisiert die Hautbarriere physikalisch, wie ein Schutzschild, sodass Reize schwerer eindringen und die Entzündungskaskade seltener neu gestartet wird. In Studien wurden unter Ectoin eine Juckreiz-Reduktion von bis zu 71 % und eine SCORAD-Verbesserung von bis zu 50 % berichtet. ectocare nutzt medEctoin® als steroidfreie Barrieretherapie, um dir mehr Routine statt Reaktion im Alltag zu ermöglichen.

Wenn du starke Entzündung, Nässen, Schmerzen oder wiederkehrende Infektionen bemerkst, brauchst du eine ärztliche Abklärung und ggf. eine verordnete Entzündungsbehandlung. Setze keine aggressiven Hausmittel ein und vermeide Selbstbehandlung im Gehörgang bei Unsicherheit.

Welche Creme darf ins Ohr?

Welche Creme „ins Ohr“ darf, hängt davon ab, ob du die Ohrmuschel und den Eingang des Gehörgangs meinst oder wirklich den Gehörgang selbst. Für die äußere Haut sind meist reizarm formulierte, parfümfreie Produkte mit passender Textur sinnvoll. Im Gehörgang ist Selbstanwendung riskanter, weil Reizung, Okklusion und eine übersehene Entzündung leichter Probleme machen können.

Warum die Abgrenzung sicherheitsrelevant ist

Der Gehörgang ist eng, empfindlich und reagiert auf falsche Produkte schneller mit zusätzlicher Reizung. Außerdem kann sich hinter Juckreiz im Gehörgang auch eine Entzündung verbergen. Dass Therapien dort in klaren Rahmen geprüft werden, zeigt ein Studiendesign: In einer klinischen Studie wurden entzündungshemmende Cremes im äußeren Gehörgang über 14 Tage geprüft und zeigten einen Effekt gegenüber der Kontrollgruppe[9]. Das ist nicht dasselbe wie „einfach etwas ins Ohr schmieren“.

Orientierung: Bereich, Ziel und No-Gos

Bereich Ziel No-Gos, die am Ohr häufig schaden
Ohrmuschel Trockenheit reduzieren, Reizung dämpfen Duftstoffe, alkoholhaltige Produkte, starkes Rubbeln
Falte hinter dem Ohr Reibung und Feuchte entschärfen Dauerfeuchtigkeit in der Falte, „wegschrubben“ von Schuppen
Eingang des Gehörgangs (äußerer Rand) Reizarm pflegen ohne Okklusion Fettige Schichten „hineindrücken“, kratzende Applikation
Gehörgang (tiefer) Nicht in Eigenregie behandeln Wattestäbchen im Kanal, experimentelle Hausmittel, unklare Cremes

5 Auswahlkriterien für reizarme Produkte am äußeren Ohr

  • Parfümfrei und möglichst wenige Inhaltsstoffe
  • Keine stark alkoholhaltigen oder ätherischen Zusätze
  • Textur passend zur Situation: eher Creme bei Trockenheit, bei Nässen keine stark okklusiven Schichten
  • Potenzielle Kontaktallergene im Blick behalten, besonders bei wiederkehrenden Rückfällen
  • Gute Verträglichkeit an dünner Haut, weil Ohrläppchen und Falte schneller brennen

Praktisch: Hände waschen, dünn auftragen statt einmassieren, und den Gehörgang nicht mit Wattestäbchen „bearbeiten“.

Bei Schmerzen, Hörminderung, übel riechendem Sekret oder Verdacht auf eine Entzündung im Gehörgang nicht selbst behandeln, sondern ärztlich abklären lassen.

Wann sollte man mit Ohr-Neurodermitis zum Arzt?

Du solltest Ohr-Neurodermitis ärztlich abklären lassen, wenn starke Schmerzen, Fieber, rasche Ausbreitung, deutliche Schwellung oder eitriges, übel riechendes Sekret dazukommen. Auch Hörminderung, häufige Rückfälle oder ein Verdacht auf Kontaktallergie sprechen dafür. Wenn sich trotz konsequenter Pflege keine Besserung zeigt oder der Juckreiz stark belastet, ist ärztliche Hilfe sinnvoll.

Red Flags (sofort abklären)

  • Starke Schmerzen am Ohr oder im Gehörgang
  • Fieber oder deutliche Krankheitszeichen
  • Rasche Ausbreitung, starke Rötung mit Wärme und Schwellung
  • Eitriges oder übel riechendes Sekret

Zeitnah abklären (nicht aussitzen)

  • Hörminderung oder „zugesetztes“ Ohrgefühl durch Schwellung
  • Stark nässender Verlauf oder wiederkehrende Infektionen
  • Verdacht auf Kontaktallergie (klarer Bezug zu neuen Produkten, Schmuck, Hörhilfe)
  • Keine Besserung nach angemessener Zeit trotz konsequenter, reizarmer Pflege

Warum das wichtig ist: Das USZ (Universitaetsspital Zuerich) beschreibt, dass bei Neurodermitis die Hautschutzbarriere geschwächt ist, sodass Keime leichter eindringen können, was zu Infektionen führen kann[10].

Entscheidungsbaum: Was ist der nächste sinnvolle Schritt? (Ja/Nein)

  1. Hast du starke Schmerzen, Fieber oder übel riechendes Sekret? Wenn ja: Notfallmäßig abklären; wenn nein: weiter zu 2.
  2. Hast du eine neue oder zunehmende Hörminderung, Druckgefühl oder deutliche Schwellung im Gehörgang? Wenn ja: zeitnah ärztlich abklären; wenn nein: weiter zu 3.
  3. Gibt es einen klaren Auslöser durch neuen Schmuck, Haarprodukt, Kopfhörerpolster oder Brillenbügel? Wenn ja: Trigger sofort pausieren und konsequent reizarme Pflege fortsetzen; wenn nein: weiter zu 4.
  4. Wird es trotz konsequenter Pflege nach 7 bis 14 Tagen nicht deutlich besser oder kommt es sehr häufig wieder? Wenn ja: ärztlich abklären lassen; wenn nein: Selbstpflege fortsetzen und Trigger systematisch prüfen.

Wie pflegt man Ohren, um Schübe zu vermeiden?

Um Schübe am Ohr zu vermeiden, hilft dir eine konsequent reizarme Routine: sanft reinigen, die Haut regelmäßig rückfetten und Reibung sowie Feuchtigkeit in Problemfalten reduzieren. Achte außerdem auf typische Ohr-Trigger wie Schmuck, Kopfhörer, Masken oder Haarprodukte. Wenn du wiederkehrende Stellen früh schützt, kann die Hautbarriere stabiler bleiben.

Konsequenz lohnt sich. „Konsequente Hautpflege ist eine der zentralen Säulen der Neurodermitis-Behandlung; regelmäßiges Eincremen hilft, die Hautbarriere auch im Ohrbereich zu stärken und Schübe zu verhindern.“ (Helios Kliniken, Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen)[11]

Checkliste: täglich vs. nach Triggerkontakt

Täglich:- Ohr und Falte hinter dem Ohr mit lauwarmem Wasser oder sehr milder Reinigung säubern
- Danach sorgfältig, aber sanft trocknen, besonders in der Falte
- Reizarme Pflege dünn auf Ohrläppchen, Falte und typische Übergänge auftragen

Nach Triggerkontakt (z. B. Sport, Kopfhörer, Styling):- Schweiß und Produktreste zeitnah abspülen oder abwischen, ohne zu rubbeln
- Druckstellen entlasten, zum Beispiel Kopfhörer-Pause oder Maskenhalter statt Ohrschlaufen
- Bei neuen Haarprodukten die Bereiche hinter dem Ohr besonders beobachten

Trigger am Ohr: konkrete Anpassungen

Trigger Anpassung Ziel
Schmuck/Ohrringe Material wechseln, z. B. nickelarme Varianten testen; Tragezeit reduzieren Weniger Kontaktreaktion am Ohrläppchen
Kopfhörer Polster reinigen, Tragezeit begrenzen, Druckpunkte wechseln Weniger Reibung und Wärmestau
Maske Maskenhalter oder Bänder mit Entlastung nutzen Weniger Reibung hinter dem Ohr
Brille Bügelenden prüfen, Druckstellen polstern, Sitz anpassen Weniger lokale Irritation am Bügelkontakt
Haarprodukte Weniger Produkte, parfümarm, beim Ausspülen Ohren mit abspülen Weniger Reizstoffe in Falte und Haaransatz

Woher kommen eingerissene Ohrläppchen?

Eingerissene Ohrläppchen entstehen häufig, wenn die Haut dort zu trocken und entzündlich gereizt ist, wie bei Neurodermitis, und zusätzlich mechanisch belastet wird, zum Beispiel durch Ohrringe oder Reibung. Auch Feuchtigkeit kann die Haut aufweichen und Risse begünstigen. Werden Risse nässend, gelbkrustig oder schmerzhaft, kann eine zusätzliche Entzündung mitbeteiligt sein.

Häufige Auslöser für Risse am Ohrläppchen

  • Trockenheit und atopische Entzündung
  • Zug und Druck durch Ohrringe, besonders schwere oder eng sitzende
  • Feuchte plus Reibung, zum Beispiel nach dem Duschen oder Sport
  • Kratzen, das kleine Einrisse immer wieder neu öffnet

Was du sinnvoll tun kannst, ohne „Therapieplan“

Chronisch trockene Neurodermitis am Ohrläppchen mit Schuppung und kleinen Fissuren
  • Zug und Reibung reduzieren, zum Beispiel Ohrringe pausieren und Druckquellen vermeiden
  • Reizarme Barrierepflege regelmäßig nutzen, besonders nach Wasser-Kontakt
  • Feuchtigkeit managen, das Ohrläppchen nach dem Waschen sanft trocken tupfen

Mini-Fehlerliste: Was Risse oft verschlimmert

  • Häufiges, starkes Desinfizieren der Stelle
  • Aggressive Seifen oder Peelings
  • Krusten abknibbeln oder ständig an der Stelle „prüfen“, ob es besser ist

Eingerissene Ohrläppchen sind oft ein Hinweis, dass ein Trigger (z. B. Schmuck oder Reibung) unterschätzt wird oder die Basisroutine an genau dieser Stelle noch zu unregelmäßig ist.

Wenn Risse stark schmerzen, deutlich nässen, sich ausbreiten oder gelblich verkrusten, lass das ärztlich abklären, weil eine Infektion mitbeteiligt sein kann.


Quellen

  1. netdoktor.de: Neurodermitis
  2. nhs.uk: Atopic Eczema
  3. my.clevelandclinic.org: 21842 Ear Eczema
  4. apotheken-umschau.de: Neurodermitis Symptome Und Behandlung 734571
  5. kindergesundheit-info.de: Neurodermitis
  6. mein-allergie-portal.com: 2230 Juckendes Ekzem Am Ohr Moegliche Kontaktallergene
  7. aad.org: Weeping Eczema
  8. pmc.ncbi.nlm.nih.gov: PMC3250580
  9. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov: 22460087
  10. usz.ch: Neurodermitis
  11. helios-gesundheit.de: Neurodermitis Studie

FAQ

Kann Neurodermitis am Ohr auch den Gehörgang betreffen?
Warum jucken meine Ohren besonders nachts?
Kann Schmuck Neurodermitis am Ohr verschlimmern, auch wenn ich ihn lange trage?
Ist Neurodermitis hinter dem Ohr bei Kindern typisch?
Ist Neurodermitis am Ohr ansteckend?
Was sollte ich bei Kopfhörern, Ohrstöpseln oder Hörgeräten beachten, wenn die Ohrhaut gereizt ist?
Kann ein Ekzem am Ohr von Shampoo, Haarfarbe oder Stylingprodukten kommen, auch wenn ich das Produkt nur kurz benutze?

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Johanna Wendler

Johanna Wendler

Johanna Wendler verfügt über umfassende Expertise im Bereich Dermatologie und Hautpflege. Sie kennt die vielfältigen Reaktionsweisen der Haut auf Pflege, Ernährung und Umwelteinflüsse und besitzt fundierte Erfahrung in der Entwicklung und Bewertung von Hautpflegeprodukten. Der enge Austausch mit Fachleuten und Therapeuten prägt ihr tiefgehendes Verständnis für die Bedürfnisse unterschiedlicher Hauttypen.

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