Im ectocare-Ratgeber erfährst du, was gegen Juckreiz schnell hilft und wie du das Problem über zwei Hebel angehst: akute Reizspitzen beruhigen und danach die wahrscheinlichste Ursache systematisch einordnen.
Was hilft sofort gegen Juckreiz?
Wenn du sofort etwas gegen Juckreiz brauchst, helfen meist Kühlen, feuchte Umschläge und sanfter Druck auf die juckende Stelle mehr als Kratzen. Diese Sofortmaßnahmen dämpfen Nervenreize und bremsen Entzündungsreaktionen kurzfristig. Vermeide Hitze, Alkohol auf der Haut und stark duftende Produkte, weil sie die juckende Haut zusätzlich reizen können.
Konkret heißt das: Lieber Temperatur runter, Haut beruhigen und den Impuls zu kratzen „umleiten“. Laut Dr. Katharina Kremser, Ärztin, lässt sich Juckreiz nach einem Mückenstich gut durch Kühlen lindern, dabei gilt: Eiswürfel nie direkt auf die Haut legen, sondern in ein dünnes Baumwolltuch geben oder ein Kühlpack verwenden, weil Kälte Schwellung und Juckgefühl reduzieren kann[1].
Soforthilfe im Vergleich: welche Maßnahme passt zu deiner Situation?

| Maßnahme | Wann passend | Wie schnell spürbar | Worauf achten | Wann nicht |
|---|---|---|---|---|
| Kühlen (mit Tuch) | punktueller Juckreiz, z. B. nach Stich, Reizung, „Hot Spot“ | oft in 1-5 Minuten | Eis nie direkt auf die Haut, immer mit dünmem Baumwolltuch, Kühlpack nur kurz anwenden | bei Kälteüberempfindlichkeit, Durchblutungsstörungen oder tauben Arealen |
| Feuchter Umschlag | juckende, warme oder gespannte Hautflächen | oft in 5-10 Minuten | sauberes Tuch, lauwarm bis kühl, 5-10 Minuten, dann sanft trocken tupfen | bei stark nässenden Stellen, wenn der Umschlag brennt oder die Haut deutlich stärker rötet |
| Druck statt Kratzen | starker Kratzimpuls, auch unterwegs | oft sofort | Handfläche fest auflegen oder sanft drücken, um den Reiz zu „überschreiben“ | bei starken Schmerzen oder wenn Druck die Stelle deutlich verschlimmert |
| Kurze Nägel, Nachtschutz | wenn du dich im Schlaf aufkratzt | eher indirekt, über Stunden und Nächte | Nägel kurz feilen, Baumwollhandschuhe oder langärmliger Schlafanzug als Barriere | wenn du dadurch überhitzt oder schwitzt, dann eher dünne Baumwollschichten wählen |
| Lauwarme, kurze Dusche statt heiß | Juckreiz nach Hitze, Schweiß, „überheizter“ Haut | oft innerhalb von 10-20 Minuten | kurz duschen, lauwarm, nicht rubbeln, danach sanft abtupfen | heiße Dusche oder langes Baden, weil das Juckreiz verstärken kann |
| Duftfreie Basiscreme | trockene, spannende Haut, „Papierhaut“-Gefühl | oft in 10-30 Minuten | duftfrei, möglichst schlicht, direkt nach dem Abtrocknen auftragen | bei stark parfümierten, alkoholhaltigen oder „kribbelnden“ Produkten |
Das lässt du im Akutfall besser
- Heiße Dusche oder heißes Bad, weil Wärme Juckreizspitzen häufig verstärkt.
- Kratzen, weil es die Haut zusätzlich reizt und den Juckreiz wieder anfeuern kann.
- Alkoholhaltige Lösungen auf der Haut, weil sie brennen und austrocknen können.
- Stark duftende Lotionen oder ätherische Öle, weil sie empfindliche Haut zusätzlich triggern können.
Welche Ursachen kommen hinter Juckreiz infrage?

Hautjucken kann ganz unterschiedliche Ursachen haben, am häufigsten trockene oder gereizte Haut und entzündliche Hauterkrankungen. Daneben kommen Allergien, Infektionen oder Reizstoffe infrage, seltener stecken innere Erkrankungen oder Medikamente dahinter. Wenn du Ursachen sortierst, hilft dir: zuerst Hautbarriere und Auslöser im Alltag prüfen und systemische Gründe als Möglichkeit im Hinterkopf behalten.
Jessica Roth, Ärztin, betont, dass Juckreiz (Pruritus) viele Auslöser haben kann, von trockener Haut oder Allergien über nicht ansteckende Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte bis hin zu Infektionen, und dass innere Erkrankungen seltener dahinterliegen[2]. Gleichzeitig zeigt ein Blick auf entzündliche Hauterkrankungen, wie häufig Juckreiz dort wirklich ist: Bei Schuppenflechte berichten große Teile der Betroffenen über Juckreiz, mit Angaben im Bereich von etwa 70 bis 90 Prozent[3]. Das ist ein Hinweis auf die Relevanz des Symptoms, ersetzt aber keine Diagnose.
Häufige Ursachen, sinnvoll sortiert
- Hautbarriere gestört: trockene Haut, „Winterhaut“, häufiges heißes Duschen, zu aggressive Reinigung.
- Entzündliche Hauterkrankungen: Ekzeme wie Neurodermitis, Schuppenflechte, andere Dermatitis-Formen.
- Allergisch/urtikariell: Kontaktallergie, Nesselsucht (Urtikaria) mit Quaddeln.
- Infektiös/parasitäre Auslöser: Pilze, bestimmte bakterielle Infektionen, Parasiten.
- Irritativ: Reibung, Wolle, Schweiß, Duftstoffe, neue Waschmittel oder Kosmetik.
- Medikamentenbedingt: neue Arzneien oder Nahrungsergänzung, zeitlicher Zusammenhang ist oft der wichtigste Hinweis.
Generalisierter Juckreiz: häufige vs. seltener diskutierte Cluster (Überblick)
| Bei Juckreiz am ganzen Körper eher häufige Cluster | Eher seltener, aber wichtig im Hinterkopf |
|---|---|
| trockene Haut, besonders im Winter oder bei viel Heizungsluft | Leber oder Galle, z. B. bei auffälliger Gelbfärbung |
| Arzneimittel- oder Produktwechsel, z. B. neues Medikament, neues Duschgel | Nierenfunktion, z. B. bei länger anhaltendem, diffusem Juckreiz |
| Allergische Reaktion, z. B. Quaddeln innerhalb von Minuten bis Stunden | Schilddrüse, z. B. bei zusätzlichen Allgemeinsymptomen |
| Ekzem-Schub mit großflächig trockenen, geröteten Arealen | Eisenmangel oder andere Blutwert-Veränderungen |
| Reiz durch Hitze, Schweiß, enge Kleidung | Diabetes oder Schwangerschaft als möglicher Kontext |
Vitamine und Mangelzustände werden bei Juckreiz häufig diskutiert. Ohne Untersuchung ist das aber oft nicht eindeutig, weil ähnliche Symptome sehr unterschiedliche Ursachen haben können.
Typische Alltagstrigger, die du schnell checken kannst

Neues Waschmittel oder Weichspüler, ein neues Parfum oder Aftershave, stark duftende Bodylotion, Wolle direkt auf der Haut, häufiges heißes Duschen, viel Schwitzen oder Reibung durch enge Sportkleidung.
Woran erkennt man harmlosen Juckreiz?
Harmloser Juckreiz ist oft zeitlich begrenzt, klar auslösbar und geht mit milden Hautzeichen wie Trockenheit oder kurzzeitiger Rötung einher. Du kannst dich an Dauer, Lokalisation und sichtbaren Veränderungen orientieren. Wenn der Juckreiz über Wochen anhält, immer wiederkehrt oder ohne erkennbaren Auslöser auftritt, ist das ein Hinweis, genauer hinzuschauen.
Ein pragmatischer Zeitanker hilft beim Einordnen: „Akuter Juckreiz entsteht zum Beispiel nach einem Mückenstich und verschwindet nach kurzer Zeit; chronischer Juckreiz hält länger als sechs Wochen an.“ (Dr. Daniela Greiner-Krüger, Hautärztin)[4].
Selbstcheck: Woran du dich orientieren kannst
- Dauer: Minuten bis wenige Tage nach klarer Ursache spricht eher für akuten Juckreiz; ab Wochen wird es eher „klärungsbedürftig“.
- Lokalisation: einzelne Stelle (z. B. Unterarm) versus viele Körperregionen.
- Tageszeit: nach dem Duschen, bei Wärme und Schwitzen oder nachts.
- Sichtbare Zeichen: trockene Haut, Rötung, Quaddeln, Schuppung, kleine „Stich“-Punkte, Nässen.
- Mögliche Trigger: neue Produkte, neue Kleidung, neue Umgebung, Stress, bestimmte Speisen als Verstärker.
Drei typische Muster, ohne Selbstdiagnose
- Trockenheitsmuster: eher spannendes Gefühl, feine Schuppung, oft nach dem Duschen oder im Winter.
- Allergisch/urtikariell: plötzlich, oft mit Quaddeln, die kommen und gehen können.
- Entzündlich: anhaltender, oft mit Rötung, Schuppung oder rauen Arealen.
Ein kleines Trigger-Tagebuch für 7 Tage kann reichen: Datum, Duschgewohnheiten, neue Produkte, Kleidung, Schweiß, Stress, Essen, Schlafqualität und wie stark es juckt (0-10).
Welche Hausmittel helfen bei Juckreiz wirklich?
Einige Hausmittel können Juckreiz spürbar lindern, vor allem Kühlen, feuchte Umschläge und sanfte Anwendungen wie Hafer oder abgekühlte Tee-Umschläge. Entscheidend ist, ob deine Haut intakt und nicht stark entzündet ist. Reizende Stoffe wie Essig oder Natron können kurzfristig angenehm wirken, aber empfindliche oder geschädigte Haut auch verschlimmern.
Dass Kälte als Hausmittel bei Juckreiz für viele wirklich relevant ist, passt auch zur Erfahrung aus der Versorgung: „Bei chronischem Juckreiz nennen Patienten Kühlen als eine der wichtigsten Maßnahmen, etwa kalte Duschen, kalte Umschläge, Kühlpacks, Ventilator oder frische Luft“, berichtet Dr. Simon Müller vom Universitätsspital Basel[5].
Hausmittel im Überblick: Nutzen und Grenzen
| Hausmittel | Möglicher Nutzen | Risiken, wer es besser lässt | Wann abbrechen |
|---|---|---|---|
| Kühle Umschläge | senken Hitzegefühl, dämpfen Juckreizspitzen | bei sehr kaltempfindlicher Haut oder Taubheitsgefühl vorsichtig | wenn die Haut stark brennt oder stärker rötet |
| Hafer (z. B. als Waschung oder Bad) | kann sich beruhigend anfühlen, oft gut bei trockener Haut | bei bekannter Hafer-Allergie vermeiden | wenn Juckreiz deutlich zunimmt oder Pusteln auftreten |
| Abgekühlte Schwarztee-Umschläge | Gerbstoffe können „zusammenziehend“ wirken | nicht auf offene, stark entzündete oder großflächig nässende Stellen | wenn es sticht, brennt oder die Stelle stärker nässt |
| Natron | wird häufig probiert, kann kurzfristig „neutralisierend“ wirken | kann reizen, besonders bei empfindlicher oder geschädigter Haut | bei Brennen innerhalb von Minuten |
| Essig | wird häufig als „Hausrezept“ genannt | kann stark brennen, besonders bei Mikroverletzungen | sofort, wenn es deutlich brennt oder die Haut aufflammt |
„Natürlich“ heißt nicht automatisch mild
Ein Beispiel dafür, wie stark ein „natürlicher“ Wirkstoff sein kann: In einer kleinen Studie mit 33 Betroffenen von Prurigo nodularis wurde nach zwei Wochen eine vollständige Juckreizlinderung unter einer topischen Capsaicin-Anwendung berichtet[6]. Das ist sehr spezifisch, mit kleiner Stichprobe und einer speziellen Erkrankung, und nicht automatisch auf alltäglichen Juckreiz übertragbar. Zudem kann Capsaicin deutlich brennen, solche Wirkstoffe gehören eher in eine medizinische Beratung als in die klassische Hausmittel-Schublade.
Welche Medikamente können Juckreiz stoppen?
Medikamente gegen Juckreiz richten sich danach, was den Juckreiz antreibt, zum Beispiel Allergie, Entzündung oder eine gestörte Hautbarriere. Häufig werden Antihistaminika und entzündungshemmende topische Optionen eingesetzt, während lokal juckreizlindernde Wirkstoffe eher kurzfristig helfen. Wenn deine Haut vor allem trocken und gereizt ist, kann eine konsequent barriereorientierte, steroidfreie Therapie ein zentraler Baustein sein.
Wichtige Kategorien, verständlich eingeordnet
| Kategorie | Wann passend | Typische Grenzen oder Risiken | Was du beachten solltest |
|---|---|---|---|
| Antihistaminika (Tabletten) | eher bei allergischem Juckreiz oder Nesselsucht, teils auch nachts | können müde machen, nicht immer wirksam je nach Ursache | prüfe, ob Schläfrigkeit ein Problem ist, z. B. beim Autofahren |
| Entzündungshemmende topische Optionen | bei entzündlichen Hautbildern, z. B. Ekzem-Schub | nicht jede Option ist für jedes Areal geeignet | dünn und gezielt auf betroffene Areale, empfindliche Zonen separat betrachten |
| Lokal juckreizlindernde Wirkstoffe (Creme/Lotion) | wenn du kurzfristig „runterregeln“ willst | teils Brennen oder Reizung möglich, Wirkung oft nur vorübergehend | auf duftfreie, einfache Formulierungen achten, erst kleinflächig testen |
| Barriere-orientierte topische Ansätze | bei trockener, gereizter, barrieregestörter Haut | Geduld nötig, Wirkung baut sich oft über Tage auf | regelmäßig anwenden, besonders nach dem Waschen |
Dass topische Ansätze messbar helfen können, zeigt auch ein Studienbefund: In einer Studie wurde unter einer speziellen Hautcreme eine patientenberichtete Abnahme des Juckreizes bis zum Studienende um rund 60 Prozent beschrieben[7]. Ohne direkten Vergleichswert heißt das nicht „wirkt immer“, aber es ist ein guter Hinweis, dass barrierenah oder entzündungsmodulierend aufgebaute Cremekonzepte relevant sein können, je nach Ausgangslage und Erkrankung.
Wann lokal oft sinnvoll ist und wann Tabletten eher diskutiert werden
- Lokal ist oft sinnvoll, wenn der Juckreiz klar auf einzelne Areale begrenzt ist, die Haut sichtbar gereizt wirkt und du eine direkte Pflege- und Wirkstoffwirkung vor Ort brauchst.
- Tabletten werden eher diskutiert, wenn Juckreiz stark allergisch geprägt ist, sehr großflächig auftritt oder nachts den Schlaf massiv stört.
Wenn deine Haut vor allem von trockener, gereizter oder entzündlicher Haut kommt, ist das stabilste Prinzip meist: die Hautbarriere beruhigen und abdichten, statt die Haut immer wieder zu triggern. Genau hier setzt medEctoin® an. Der Wirkstoff stabilisiert die Barriere physikalisch wie ein Schutzschild für die Haut. So dringen Reize schlechter ein, und Entzündungsprozesse können sich leichter abflachen. Wichtig ist auch: medEctoin® ist steroidfrei und hat keinen bekannten Gewöhnungseffekt, was es für wiederkehrende Phasen einer barrieregestörten Haut attraktiv macht. In der Praxis kann das eine konsequente, steroidfreie Basis sein, wenn du Entzündung und Juckreiz über die Barriere adressieren willst.
Medikamente und wirkstoffhaltige Cremes können Nebenwirkungen haben und sind nicht für jede Ursache geeignet. Wenn der Juckreiz stark ist, länger anhält, sich ausbreitet oder du zusätzlich krank wirkst, lass die Ursache ärztlich abklären.
Was tun, wenn der ganze Körper juckt?
Wenn dich Juckreiz am ganzen Körper betrifft, hilft dir ein strukturiertes Vorgehen: mögliche Trigger sofort stoppen, Hitze und Schwitzen reduzieren und die Haut großflächig mit einer duftfreien, rückfettenden Pflege unterstützen. Gleichzeitig solltest du daran denken, dass generalisierter Juckreiz häufiger mit Medikamenten, inneren Ursachen oder Allergien zusammenhängen kann als rein lokales Hautjucken. Sammle Beobachtungen, damit eine Abklärung zielgerichtet möglich ist.
Anhaltender Juckreiz ist dabei kein seltenes Randthema: Chronischer Juckreiz ist verbreitet, mit Angaben von ungefähr 14 Prozent in Deutschland[8]. Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein, und wenn der ganze Körper betroffen ist, lohnt sich besonders ein strukturiertes Vorgehen statt wildem Produktwechsel.
Sofort heute
- Trigger stoppen: neues Duschgel, neues Waschmittel, neue Bodylotion, neue Nahrungsergänzung, neue Medikamente als möglicher zeitlicher Zusammenhang.
- Temperatur senken: leichte Baumwollkleidung, Schlafzimmer kühler halten, Schwitzen reduzieren.
- Großflächig pflegen: duftfreie, rückfettende Pflege auf den ganzen Körper, besonders nach dem Waschen.
- Nacht-Strategie: dünne, atmungsaktive Schlafkleidung, Nägel kurz, Haut eher bedecken als „offen kratzen“.
Beobachten und notieren (für die nächsten Tage)
- Startdatum und ob es plötzlich oder schleichend begann
- Neue Medikamente oder Nahrungsergänzungen in den letzten 2 bis 6 Wochen
- Hautbefund: Ausschlag ja oder nein, Quaddeln ja oder nein, Schuppung ja oder nein
- Tageszeit: nachts schlimmer oder eher nach Duschen, Sport, Schwitzen
- Duschdauer und Wassertemperatur
- Neue Produkte: Waschmittel, Weichspüler, Creme, Parfum
- Begleitsymptome, z. B. Müdigkeit, Schlafverlust, Gewichtsveränderungen
Grenzen der Selbsthilfe
Wenn du trotz konsequentem Trigger-Stopp und einfacher, duftfreier Pflege nach einigen Tagen keinen Trend zur Besserung bemerkst oder der Juckreiz immer wieder in Wellen zurückkommt, bist du meist an dem Punkt, an dem ohne gezielte Abklärung wenig neues herauskommt.
Wie pflegt man die Haut, damit sie weniger juckt?
Damit juckende Haut seltener wird, ist eine konsequente, duftfreie Barrierepflege oft der wichtigste Hebel. Du reduzierst so Trockenheit, Reizbarkeit und die Neigung zu Entzündungsschüben. Sinnvoll sind kurze, lauwarme Wasch-Routinen, rückfettende Produkte und ein Alltag, der Hitze, Reibung und irritierende Stoffe minimiert. So sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Hautjucken immer wieder aufflammt.
Gerade bei trockener Haut ist Regelmäßigkeit entscheidend, weil Trockenheit häufig ist, besonders mit zunehmendem Alter: Bei älteren Menschen ist trockene Haut sehr häufig, mit Angaben bis zu etwa 70 Prozent[9]. Das betrifft nicht nur Ältere, aber es erklärt, warum „Basisroutine“ oft mehr bringt als ständig neue Spezialprodukte.
Anna Rachow empfiehlt dafür eine rückfettende Pflegecreme bei trockener, spannender Haut, ohne ätherische Öle oder starke Duftstoffe, und bei Allergieneigung ohne Korbblütler-Inhaltsstoffe wie Calendula. Zusätzlich können Präparate mit Menthol, Polidocanol oder Urea (Harnstoff) Juckreiz lindern[10].
Alltagssituationen: Trigger und barrierefreundliche Alternativen
| Alltagssituation | Typischer Trigger | Barrierefreundliche Alternative |
|---|---|---|
| Duschen | heißes Wasser, lange Dauer, starkes Rubbeln | lauwarm, kurz, sanft abtupfen statt reiben |
| Eincremen | parfümierte Lotion, ätherische Öle | duftfreie, rückfettende Creme, möglichst wenige Inhaltsstoffe |
| Kleidung | Wolle direkt auf der Haut, enge Sportkleidung | Baumwolle oder glatte Funktionswäsche, Wechsel nach Schwitzen |
| Rasur/Peeling | grobe Peelings, alkoholhaltige Aftershaves | sanfte Rasur, danach duftfreie Pflege, Peelings selten und mild |
| Zuhause im Winter | trockene Heizungsluft | regelmäßiges Lüften, Pflege direkt nach dem Waschen, ggf. Luftbefeuchter hygienisch betreiben |
Kurz-Plan: einfache Routine ohne Überpflege
- Morgens oder abends: duftfrei eincremen, besonders Schienbeine, Arme, Hände.
- Nach dem Duschen: innerhalb weniger Minuten nach dem Abtrocknen rückfettend pflegen.
- Bei „Schub“: Reize reduzieren, Pflege vereinfachen, keine neuen Duft- oder „Aktiv“-Produkte dazu testen.
Wann sollte man mit Juckreiz zum Arzt?
Du solltest Juckreiz ärztlich abklären lassen, wenn er länger anhält, immer wiederkommt oder wenn sich deine Haut deutlich verändert, zum Beispiel durch Ausschlag, Nässen oder Schmerzen. Auch wenn du zusätzlich Beschwerden wie Fieber, starke Abgeschlagenheit oder andere Warnzeichen hast, ist eine zeitnahe Abklärung wichtig. In der Praxis werden meist deine Vorgeschichte, die Haut und bei Bedarf Blutwerte untersucht.
Laut Dr. Marc Krumrey, Chirurg und Viszeralchirurg, gilt: Wenn der Juckreiz schon länger besteht, immer wiederkehrt, die Haut verändert ist, zum Beispiel durch Rötung oder Ausschlag, oder zusätzlich Beschwerden wie Schmerzen oder allgemeines Unwohlsein auftreten, solltest du zum Arzt gehen[11].
Entscheidungsbaum: Selbsthilfe, zeitnaher Termin oder Notfall?
- Hast du Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Hals oder Kreislaufprobleme? → Ja: Notruf oder Notaufnahme. → Nein: weiter zu 2.
- Hast du Fieber oder fühlst dich deutlich krank und abgeschlagen? → Ja: noch heute oder innerhalb von 24 bis 48 Stunden ärztlich abklären. → Nein: weiter zu 3.
- Ist die Haut stark entzündet, nässend, schmerzhaft oder wirkt sie infiziert? → Ja: noch heute oder innerhalb von 24 bis 48 Stunden ärztlich abklären. → Nein: weiter zu 4.
- Juckt es länger als 6 Wochen oder kommt es immer wieder in Schüben zurück? → Ja: in den nächsten Tagen Termin vereinbaren. → Nein: weiter zu 5.
- Juckt der ganze Körper, ohne dass du einen sichtbaren Hautausschlag erkennst? → Ja: in den nächsten Tagen Termin vereinbaren. → Nein: Selbsthilfe und beobachten.
Diese Infos helfen in der Praxis
- Verlauf: Start, Verschlechterungen, Tageszeit, Schlaf
- Fotos der Haut (auch wenn der Ausschlag nur kurz sichtbar war)
- Liste neuer Produkte: Waschmittel, Duschgel, Creme, Parfum
- Medikamenten- und Supplementliste mit Startdatum
- Begleitsymptome, z. B. Fieber, Schmerzen, Gewichtsverlust, Gelbfärbung
Bei Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Kreislaufproblemen gilt: sofort Notruf. Bei starken, anhaltenden oder generalisierten Beschwerden sowie bei Schwangerschaft, Kindern oder Immunsuppression lass dich zeitnah ärztlich untersuchen.
Quellen
- https://www.apotheken-umschau.de/mein-koerper/haut-und-haare/mueckenstich-welche-mittel-helfen-gegen-das-jucken-708197.html
- https://www.apotheken-umschau.de/krankheiten-symptome/symptome/juckreiz-was-dahinter-steckt-was-hilft-735909.html
- https://bestpractice.bmj.com/topics/en-us/612
- https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/wissen/krankheiten-a-z/juckreiz-1057156
- https://www.gelbe-liste.de/dermatologie/kaelte-hitze-gegen-juckreiz
- https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3139917/
- https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4524501/
- https://gesund.bund.de/chronischer-juckreiz-pruritus
- https://www.gelbe-liste.de/dermatologie/juckreiz-aeltere-diagnostik-therapie
- https://www.apotheken-umschau.de/familie/schwangerschaft/beschwerden/juckreiz-in-der-schwangerschaft-792655.html
- https://www.apotheken-umschau.de/einfache-sprache/krankheiten/juckreiz-1406765.html