Schuppenflechte-Schub – Auslöser erkennen & lindern

Milde Psoriasis-Plaque mit Rötung und Schuppung am Ellenbogen

Im ectocare-Ratgeber erfährst du, wie du einen Schuppenflechte-Schub besser einordnest, typische Auslöser erkennst und deine Haut im Alltag und im Akutfall möglichst stabil hältst. Der rote Faden ist dabei früh klar: Entzündung beruhigen und die Hautbarriere schützen, damit sich gereizte Haut wieder erholen kann.

Was löst einen Schuppenflechte-Schub aus?

Ein Schub bei Schuppenflechte wird häufig durch eine Kombination aus Triggern ausgelöst, zum Beispiel Infekte, psychischer Stress, Hautverletzungen, bestimmte Medikamente, Alkohol oder Rauchen, Übergewicht sowie Wetter und UV-Veränderungen. Welche Auslöser bei dir zählen, ist individuell. Mit einem Trigger-Tagebuch kannst du Muster und zeitliche Verzögerungen besser erkennen.

Damit du die wichtigsten Kategorien greifbar sortieren kannst, hilft diese Übersicht:

  • Infekte: Zum Beispiel wiederkehrende Infekte der Atemwege; viele Betroffene berichten, dass die Haut zeitversetzt „nachzieht“. In Befragungen berichten mehr als sieben von zehn Betroffenen, dass Stressereignisse einen Psoriasis-Schub ausgelöst haben, und etwa jede fünfte Person nennt wiederkehrende Infektionen als Auslöser[1].
  • Psychischer Stress: Akuter Druck, Konflikte oder längere Überlastung; wichtig ist, dass das keine „Einbildung“ ist, sondern häufig berichtet wird, ohne dass die Zahl allein einen Kausalitätsbeweis liefert[1].
  • Hautverletzungen und Koebner-Phänomen: Neue Plaques können an Stellen entstehen, die gereizt oder verletzt wurden, zum Beispiel durch Kratzen, Druckstellen, Rasur oder Reibung.
  • Medikamente: Unter anderem werden Betablocker als mögliche Trigger genannt. Marc Radtke, Professor, betont, dass es viele Faktoren gibt, die Schübe auslösen können, darunter „Genetik, Medikamente wie Betablocker, Infektionen, Stress und Übergewicht“[2].
  • Alkohol und Rauchen: Beides kann den Verlauf ungünstig beeinflussen und wird von vielen als „Schub-Verstärker“ wahrgenommen.
  • Körpergewicht: Übergewicht wird häufig als mitbeteiligender Faktor beschrieben[2].
  • Hormonelle Faktoren: Manche bemerken Veränderungen rund um Zyklus, Schwangerschaft oder Wechseljahre.

Warum wirken Trigger bei dir anders als bei anderen? Häufig spielen drei Dinge zusammen: eine individuelle Schwelle, mehrere Trigger gleichzeitig und eine zeitliche Verzögerung zwischen Auslöser und Hautreaktion.

Mini-Checkliste fürs Trigger-Tagebuch

  • Datum und betroffene Stellen
  • Infektzeichen (z. B. Halskratzen, Fiebergefühl)
  • Stresslevel (kurz 0 bis 10) und besondere Ereignisse
  • Schlaf (Dauer, Unterbrechungen)
  • Neue oder geänderte Medikamente
  • Neue Pflegeprodukte oder Waschmittel
  • Alkohol und Rauchen (ja/nein, grob)
  • Hautreize oder Verletzungen (Rasur, Reibung, Sonnenbrand, Kratzstellen)

Typische Kombinationen sind zum Beispiel „Infekt plus Stress plus Schlafmangel“ oder „neues Medikament plus trockene Haut plus Reibung durch Sportkleidung“. Das Ziel ist nicht, alles zu vermeiden, sondern Muster zu verstehen.

Wie äußert sich ein Psoriasis-Schub?

Infografik: Symptome bei Psoriasis-Schub wie Rötung, Schuppung und Juckreiz
Psoriasis am Haaransatz mit Rötung und trockenen Schuppen auf der Kopfhaut
Nahaufnahme einer Psoriasis-Plaque am Knie mit Rötung und Schuppung

Ein Psoriasis-Schub zeigt sich meist daran, dass bestehende Plaques röter, dicker oder schuppiger werden, stärker jucken oder brennen und sich neue Stellen bilden können. Manchmal nimmt vor allem die Symptomstärke zu, manchmal die betroffene Fläche. Häufig bemerkst du das an Ellenbogen, Knien oder der Kopfhaut zuerst.

Laut Heiko Traupe, Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten, Universitätsklinikum Münster, sind „Typisch für das Erscheinungsbild eines Psoriasis-Schubs … scharf begrenzte, schuppende Rötungen der Haut, die bevorzugt an Ellenbogen, Kniestreckseiten und behaartem Kopf auftreten und zum Teil jucken“[3].

Zur Einordnung hilft, die häufigsten Beschwerden zu kennen: In Erhebungen werden Schuppung, Juckreiz und Rötung am häufigsten als Beschwerden bei Psoriasis genannt, während Müdigkeit, Schwellungen sowie Brennen oder Blutungen seltener berichtet werden[4]. Konkret werden Schuppung (92%), Juckreiz (72%) und Rötung (69%) besonders häufig genannt[4]. Das heißt nicht, dass du alles davon haben musst, Verläufe sind individuell.

Was verändert sich an Plaques im Schub?

Veränderung Optik Gefühl Funktion im Alltag
Mehr Entzündung deutlichere Rötung, schärfere Begrenzung Wärmegefühl, Brennen Kleidung reibt schneller, Stellen werden empfindlicher
Mehr Schuppung dickere, festere Schuppen, „aufgebauter“ Plaque Spannungsgefühl, Trockenheit Schuppen in Haaren oder auf dunkler Kleidung sichtbar
Mehr Reizung feine Einrisse am Rand, ggf. punktförmige Blutungen nach Manipulation Juckreiz, Schmerz bei Bewegung Greifen, Gehen oder Sport können unangenehm werden

Häufige Körperstellen, an denen du es oft zuerst merkst

  • Kopfhaut: Schuppen im Haar, Juckreiz, Spannungsgefühl am Haaransatz.
  • Ellenbogen und Knie: Plaques werden dicker und „stehen“ stärker, Reibung fällt mehr auf.
  • Rumpf: neue, klar begrenzte Stellen, die unter Kleidung scheuern können.
  • Hände und Füße: schmerzhafte Einrisse möglich, Alltagstätigkeiten werden schneller zur Belastung.
  • Nägel: zum Beispiel Grübchen oder Ablösungen; oft eher schleichend als „über Nacht“.

Auch hier gilt: Auslöser können zeitverzögert wirken, deshalb fühlt sich ein Schub manchmal „grundlos“ an, obwohl ein Trigger Wochen zuvor lag.

Wie lange dauert ein Schuppenflechte-Schub?

Die Dauer eines Schuppenflechte-Schubs kann stark variieren. Manche Schübe klingen innerhalb weniger Wochen ab, andere halten über Monate an. Entscheidend sind unter anderem der auslösende Trigger, wie stark und großflächig die Entzündung ist und ob die Haut zwischendurch weiter gereizt wird. Viele Verläufe haben eine Anstiegs-, Plateau- und Abklingphase.

„Symptome können innerhalb weniger Wochen abklingen, aber auch über mehrere Monate anhalten. Dies gilt für alle Arten der Psoriasis“, erklärt Crystal Dinopol, Dermatologin[5].

Mini-Zeitstrahl: typische Phasen

Anstieg: bestehende Plaques werden aktiver; neue Stellen tauchen auf; Juckreiz oder Brennen nimmt zu.
Plateau: Beschwerden bleiben auf ähnlichem Niveau; manche Areale wirken „stabil entzündet“.
Abklingen: Rötung nimmt ab; Plaques werden flacher; Schuppung verändert sich, bis die Haut ruhiger wird.

Aushaltend aktiv kann sich im Alltag so anfühlen, dass du kaum beschwerdearme Intervalle hast oder immer wieder neue kleine Stellen dazukommen, obwohl andere Areale gerade abheilen.

Was tun bei akutem Schuppenflechte-Schub?

Bei einem akuten Schub der Schuppenflechte zählt vor allem ein Prinzip: die Entzündung zu beruhigen und die Hautbarriere zu stabilisieren, damit die gereizte Haut sich erholen kann. Sinnvoll ist meist ein Stufenblick von konsequenter Basispflege und reizarmem Verhalten bis zu ärztlich verordneten Therapien. Außerdem kannst du typische Verschlimmerer im Schub gezielt vermeiden.

Ein pragmatischer Startpunkt ist oft lokal: Bei einem großen Teil der Betroffenen ist die Psoriasis so begrenzt, dass eine lokale Behandlung grundsätzlich ausreichen kann[6]. Genannt wird dabei ein Anteil von 80 Prozent[6]. Trotzdem gibt es schwerere Verläufe, und die passende Therapie hängt immer von Ausmaß, Lokalisation und Beschwerden ab.

Vergleichsmatrix: Ansätze im Schub auf einen Blick

Ansatz Ziel im Schub Typische Beispiele Wann sinnvoll Grenzen
Basispflege (barriereschonend, rückfettend) Trockenheit und Spannungsgefühl reduzieren, Haut „abdichten“ rückfettende Creme oder Salbe, parfümfreie Pflege, Eincremen nach dem Duschen bei fast jedem Schub als Grundlage, besonders bei trockener, rissiger Haut ersetzt keine gezielte Entzündungsbehandlung bei stark aktiven Plaques
Reizarmes Verhalten (Reibung reduzieren) mechanische Reize senken, neue Irritation vermeiden weiche Kleidung, wenig Scheuern, sanftes Abtrocknen, kurze Nägel wenn Reibung, Sport, Arbeit oder Hände stark betroffen sind reduziert Trigger, stoppt Entzündung nicht allein
Steroidfreie Barrieretherapie (ectoinhaltiges Medizinprodukt) Entzündung beruhigen, Barriere stabilisieren lokal anwendbare, steroidfreie Barrierelösung mit Ectoin-Prinzip wenn du eine gut verträgliche, nicht steroidbasierte Option zur Beruhigung suchst, auch bei empfindlicher Schubhaut bei ausgeprägten oder rasch eskalierenden Schüben oft nicht ausreichend als alleiniger Ansatz
Ärztlich verordnete topische Therapie Entzündung gezielt dämpfen, Plaques kontrollieren verordnete Anti-Entzündungs-Cremes oder Kombinationspräparate wenn Plaques deutlich aktiv sind oder Basispflege nicht reicht Bedarf an individueller Auswahl, Kontrolle und Anpassung
Phototherapie Entzündung durch medizinisch gesteuertes UV reduzieren UVB-Phototherapie in der Praxis bei geeigneten Formen und wenn Lokaltherapie nicht genügt nicht für jede Lokalisation geeignet; erfordert Termine und konsequente Durchführung
Systemische Therapie Entzündung im Körper breiter kontrollieren Tabletten oder Injektionstherapien nach ärztlicher Entscheidung bei mittelschweren bis schweren Verläufen oder hoher Belastung nicht für Selbstmanagement; Nutzen-Risiko-Abwägung nötig

Schnelle Checkliste: typische Verschlimmerer im Schub

  • Mechanisch: Reibung durch enge Kleidung, Druckstellen, häufiges Scheuern.
  • Chemisch: stark parfümierte oder „scharfe“ Produkte, aggressive Peelings.
  • Gewohnheiten: sehr heißes Duschen, häufiges „Nachreinigen“ einzelner Stellen.
  • Verhalten: Kratzen oder Ablösen von Schuppen, Alkohol und Rauchen, Stress-Spirale.

Wenn du im Schub vor allem merkst, dass deine Haut „überreizt“ reagiert, kann eine besonders sanfte, barrierestützende Strategie helfen, wieder Ruhe hineinzubringen. Das ist der Übergang von allgemeiner Basispflege zu einer gezielten, steroidfreien Barriereoption.

Wenn deine Schuppenflechte vor allem durch gereizte, entzündete Haut „laut“ wird, ist das naheliegende Ziel, die Haut zur Ruhe zu bringen und Stabilität aufzubauen. Genau hier setzt medEctoin® von ectocare an: Der Wirkstoff medEctoin® kann die überschießende Entzündungsreaktion in der Haut beruhigen und unterstützt zugleich die Barriere, damit sich die Haut wieder besser regenerieren kann. Als CE-zertifiziertes Medizinprodukt ist es steroidfrei und in der Regel gut verträglich, auch wenn die Haut im Schub empfindlich reagiert.

Bei starkem oder rasch zunehmendem Schub, nässenden oder schmerzhaften Stellen, Fieber oder Augen- und Gelenkbeschwerden solltest du das zeitnah ärztlich abklären lassen. Der Abschnitt gibt nur eine Orientierung und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung.

Wie kann man Schübe im Alltag vorbeugen?

Schüben kannst du im Alltag vor allem vorbeugen, indem du deine Hautbarriere konsequent reizarm pflegst und wiederkehrende Reize reduzierst. Dazu gehören rückfettende Routinen, schonende Dusch- und Badegewohnheiten sowie Kleidung, die wenig reibt. Auch Schlaf und Stressmanagement können Einfluss auf die Schubhäufigkeit haben.

Checkliste: reizarme Routine, die sich im Alltag bewährt

  • Duschen: eher kurz und nicht zu heiß; milde Reinigung statt „quietschsauber“.
  • Nach dem Duschen: zeitnah rückfettend eincremen, besonders an typischen Problemstellen.
  • Kleidung: weich, atmungsaktiv, wenig Scheuern an Ellenbogen, Knien, Gürtelbereich.
  • Hände: nach häufigem Waschen konsequent rückfettend pflegen; bei Nässearbeit schützen.
  • Belastete Areale: bei Sport oder Arbeit Reibung reduzieren, zum Beispiel durch passende, glatte Materialien.

Stress und Schlaf sind keine „Schuldthemen“, aber oft reale Stellschrauben. Anderson, Dr., beschreibt als alltagstaugliche Beispiele eine mediterran geprägte Ernährung sowie Entspannungsmethoden wie Meditation, Yoga oder tiefes Atmen, um Stress zu senken[7]. Sinnvoll ist das als Routine, nicht als Garantie gegen Schübe.

Szenario-Liste: Barriere schützen, ohne den Tag umzubauen

  • Arbeitstag: bei viel Sitzen oder Knien Druckstellen entlasten; bei häufigem Händewaschen rückfettende Handpflege einplanen; Kleidung wählen, die nicht scheuert.
  • Sport: Reibung durch Nähte und enge Bündchen reduzieren; nach dem Duschen zügig pflegen; bei Outdoor-Sport Wetterreize mitdenken.
  • Reisen: trockene Luft im Flugzeug oder Hotel einkalkulieren; Pflege griffbereit halten; Wechselkleidung bei Schwitzen einplanen.

Kleine Verletzungen oder ständige Mikro-Reize können bei Psoriasis eine Rolle spielen (Koebner-Prinzip). Im Alltag hilft deshalb vor allem ein „Schutzmodus“ für die Haut, damit aus Reibung und Kratzspuren nicht unnötig neue Problemstellen werden.

Welche Rolle spielen Jahreszeiten und Nährstoffe?

Jahreszeiten können deine Psoriasis beeinflussen, weil sich UV-Exposition, Luftfeuchtigkeit und Hautreizung ändern. Viele erleben im Winter eher Verschlechterungen durch trockene Luft und weniger Sonne, während Sommer-UV bei manchen die Entzündung beruhigen kann. Bei Nährstoffen ist vor allem wichtig, echte Mängel gezielt abklären zu lassen, statt blind zu supplementieren.

Katharina Kremser, Ärztin, erläutert, dass die Psoriasis schubweise verlaufen kann und „Oft … eine Verschlechterung im Winter und eine Besserung im Sommer“ zeigt[8]. Gleichzeitig ist das nicht für alle gleich: Studien zeigen, dass etwa die Hälfte der Betroffenen keine klaren jahreszeitlichen Schwankungen erlebt, während ein Teil im Sommer und ein kleinerer Teil im Winter Besserungen berichtet[9]. Konkret werden ca. 50% ohne Schwankungen, ca. 30% besser im Sommer und ca. 20% besser im Winter beschrieben[9]. Das korrigiert Erwartungen und unterstützt die Idee, deine eigenen Muster zu beobachten.

Jahreszeiten-Tabelle: Was sich typischerweise ändert

Jahreszeit Typische Belastung Pflege-Prinzipien
Winter wenig UV, trockene Heizungsluft, dickere Kleidung mit mehr Reibung Barriere stärker in den Fokus, eher rückfettend; austrocknende Routinen reduzieren
Sommer mehr UV, mehr Schwitzen, teils Salz durch Meerwasser Haut beruhigen und nicht überreizen; Sonnenbrand vermeiden, weil er die Haut traumatisiert

Sonne und Meerwasser können bei manchen beruhigend wirken, weil UV-Licht und Salz Entzündungsprozesse beeinflussen können. Die Grenze ist erreicht, wenn es zu Sonnenbrand kommt, denn Hauttrauma kann wiederum ein Trigger sein.

Nährstoffe: Fragen, die du für den nächsten Termin mitnehmen kannst

  • Ist bei mir ein Vitamin-D-Mangel oder ein anderer Mangel wahrscheinlich und sollte getestet werden?
  • Welche Werte sind bei meiner Vorgeschichte sinnvoll (z. B. Eisen, B12), und welche eher nicht?
  • Was spricht in meinem Fall für oder gegen Supplemente, und woran erkenne ich Nebenwirkungen?

Wichtig ist hier der Fokus auf gezielte Abklärung statt „auf Verdacht“ vieles parallel einzunehmen.

Was ist das „letzte Häutchen“ bei Psoriasis?

Mit dem „letzten Häutchen“ meinen viele bei Psoriasis eine dünne, glatte Hautschicht, die unter den gelösten Schuppen sichtbar werden kann. Sie wirkt feucht oder glänzend und ist leicht verletzlich. Wenn du daran weiter manipuliert, kann es zu punktförmigen Blutungen kommen und die Haut zusätzlich reizen. Schonender ist Pflege statt Ablösen.

Anschaulich beschrieben wird das so: „Beim vorsichtigen Abkratzen der Schuppen lösen sich diese wie Kerzenwachs. Kratzt man tiefer, kommt eine feuchte, glatte Schicht zum Vorschein, das sogenannte 'letzte Häutchen'. Wird dieses entfernt, treten punktförmige Blutungen auf, bekannt als Auspitz-Phänomen“ (Yan BX et al, Studienautor)[10].

Der Punkt ist weniger der Begriff, sondern die Konsequenz: Mechanisches Ablösen ist ein Trauma für die ohnehin entzündete Haut und kann sie weiter reizen. Schonender ist es, Schuppen eher aufweichen zu lassen und die Stelle zu pflegen, statt sie „sauber zu kratzen“.

Mini-Glossar

  • Letztes Häutchen: dünne, glatte, feucht wirkende Schicht unter gelösten Schuppen.
  • Auspitz-Phänomen: punktförmige Blutungen nach Entfernen dieser Schicht[10].

Wann sollte man mit einem Schub zum Arzt?

Du solltest mit einem Schub zum Arzt, wenn sich die Psoriasis schnell ausbreitet, sehr schmerzhaft ist, nässt oder sich infiziert anfühlt, oder wenn Fieber und starkes Krankheitsgefühl dazukommen. Auch Augenbeschwerden sowie neue Gelenkschmerzen mit Morgensteifigkeit sind wichtige Abklärungsgründe. Sinnvoll ist auch Hilfe, wenn deine aktuelle Therapie nicht mehr ausreicht.

Ein wichtiger Hintergrund sind Gelenkbeschwerden: In Versorgungsdaten wird bei etwa jeder fünften Person mit Psoriasis auch eine Psoriasis-Arthritis gefunden[11]. Das sind 20 Prozent[11]. Gelenkschmerzen bedeuten nicht automatisch Psoriasis-Arthritis, aber neue oder zunehmende Symptome solltest du ernst nehmen. Laut Bundesministerium fuer Gesundheit (BMG), Bundesministerium für Gesundheit, gilt: Bei Verdacht auf Psoriasis-Arthritis sollte man ärztlichen Rat einholen, weil frühes Erkennen die Behandlungschancen verbessert und Gelenkschäden eher vermeidbar macht[12].

Entscheidungsbaum: Brauchst du sofort Hilfe, zeitnah einen Termin oder reicht planbar?

  1. Starke Schmerzen, Fieber oder ausgeprägtes Krankheitsgefühl? Wenn ja, dann sofortige Abklärung (Notfall, je nach Schwere). Wenn nein, weiter mit 2.
  2. Nässende, stark verkrustete oder vereiterte Stellen, oder Verdacht auf Hautinfektion? Wenn ja, dann zeitnahe Abklärung. Wenn nein, weiter mit 3.
  3. Augenbeschwerden wie Rötung, Schmerzen oder Lichtempfindlichkeit? Wenn ja, dann zeitnahe Abklärung. Wenn nein, weiter mit 4.
  4. Neue Gelenkbeschwerden mit Morgensteifigkeit oder Schwellung? Wenn ja, dann zeitnaher Termin. Wenn nein, weiter mit 5.
  5. Rasche Ausbreitung, Befall sensibler Areale (Gesicht, Genitalbereich, Hände/Füße) oder starke Einschränkung im Alltag? Wenn ja, dann zeitnaher Termin, wenn nein, dann geplanter Termin zur Anpassung der Strategie.

3 Stufen als Merkhilfe

  • Heute: Fieber, starkes Krankheitsgefühl, heftige Schmerzen, Verdacht auf Infektion.
  • Zeitnah: Augenbeschwerden, neue geschwollene Gelenke oder deutliche Morgensteifigkeit, schnelle Ausbreitung oder sensible Areale.
  • Planbar: Schub bleibt zwar lästig, aber stabil; du brauchst vor allem ein Update, weil das bisherige Vorgehen nicht mehr gut genug greift oder der Leidensdruck steigt.

Wie wird ein Schub eingeordnet und diagnostiziert?

Ein Schub wird ärztlich eingeordnet, indem man typische Hautveränderungen betrachtet und die Aktivität sowie den Schweregrad einschätzt, zum Beispiel nach betroffener Fläche, Lokalisation, Plaque-Merkmalen und deinem Leidensdruck. Grundlage ist eine immunvermittelte Entzündung bei genetischer Veranlagung. Wichtig ist auch die Abgrenzung zu anderen Ursachen wie Ekzem oder Pilz.

In der Praxis geht es oft um zwei Ebenen: Wie aktiv ist die Entzündung gerade, und wie stark beeinträchtigt sie dich im Alltag. Begriffe aus Arztbriefen wirken dabei schnell technisch, sind aber übersetzbar.

DermNet® (Redaktion / Editorial Team, DermNet NZ) erklärt zum Beispiel: „Der PASI-Score wird in Fachkreisen zur Messung der Schwere genutzt. Er bewertet die Rötung, Schuppung und Dicke der Plaques, um den Schweregrad der Psoriasis objektiv einzuordnen“[13]. Als grobe Orientierung wird in Leitlinien ein PASI- oder BSA-Wert von über 10 häufig als Hinweis auf eine mittelschwere bis schwere Psoriasis genutzt[14]. Das ist keine Zahl für die Selbstdiagnose, denn auch Lokalisation und Lebensqualität können bei kleiner Fläche stark zählen.

Mini-Tabelle: PASI und BSA kurz verständlich

Begriff Was wird bewertet? Wofür wird es genutzt?
PASI (Psoriasis Area and Severity Index) Ausmaß plus Schwere der Plaques, inklusive Rötung, Schuppung, Dicke[13] objektivere Einordnung des Schweregrads, oft in Studien und zur Therapiekontrolle
BSA (Body Surface Area) Anteil der betroffenen Körperoberfläche schnelle Flächenabschätzung; Werte über 10 werden häufig als Hinweis auf mittelschwer bis schwer genutzt[14]

Bei der Abgrenzung wird unter anderem an Ekzem oder Pilz gedacht. Genau deshalb sind Fotos, Verlauf und Lokalisation wichtig, und reine Selbstdiagnose stößt hier an Grenzen.


Quellen

  1. pmc.ncbi.nlm.nih.gov: PMC4130688
  2. apotheken-umschau.de: Schuppenflechte So Beruhigen Sie Die Haut 823701
  3. gbe-bund.de: Isgbe
  4. psoriasis-bund.de: WHO Bericht
  5. healthline.com: How Long Does Psoriasis Last
  6. usz.ch: Psoriasis
  7. health.clevelandclinic.org: Psoriasis Self Care
  8. apotheken-umschau.de: Schuppenflechte Ursachen Symptome Behandlung 734601
  9. pmc.ncbi.nlm.nih.gov: PMC9907615
  10. pmc.ncbi.nlm.nih.gov: PMC8548430
  11. psoriasis-bund.de: 1 Versorgungssituation
  12. gesund.bund.de: Schuppenflechte Psoriasis
  13. dermnetnz.org: Guidelines For The Treatment Of Psoriasis
  14. aerzteblatt.de: Psoriasis Neue Erkenntnisse Zur Pathogenese Und Therapie F6e1572e Fc5b 47a1 Ad0f Be1080b69846

FAQ

Kann ein Schuppenflechte-Schub auch ohne erkennbaren Auslöser auftreten?
Ist es normal, dass ein Schub nur an einer Stelle schlimmer wird und sonst gleich bleibt?
Kann ein Sonnenbrand einen Schub auslösen, obwohl Sonne manchmal hilft?
Welche Rolle spielt die Kopfhaut bei Psoriasis-Schüben im Alltag?
Ist Psoriasis ansteckend, wenn die Haut im Schub stark schuppt?
Darf ich Schuppen im Schub abkratzen oder abziehen, wenn sie stören?
Woran erkenne ich, ob ein neues Pflegeprodukt meinen Schub verschlechtert?

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Johanna Wendler
Autorin

Johanna Wendler

Johanna Wendler verfügt über umfassende Expertise im Bereich Dermatologie und Hautpflege. Sie kennt die vielfältigen Reaktionsweisen der Haut auf Pflege, Ernährung und Umwelteinflüsse und besitzt fundierte Erfahrung in der Entwicklung und Bewertung von Hautpflegeprodukten. Der enge Austausch mit Fachleuten und Therapeuten prägt ihr tiefgehendes Verständnis für die Bedürfnisse unterschiedlicher Hauttypen.

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