Jetzt der Teil, den ich dir wirklich erklären will.
Die meisten Betroffenen tun erst mal gar nichts.
Sie warten, bis es weggeht. Blinzeln. Reiben. Halten die Augen kurz zu.
Am Vormittag wird es besser, und abends denkt man nicht mehr dran.
Bis zum nächsten Morgen.
Andere haben irgendwann Tropfen aus der Apotheke geholt.
Und da passiert etwas Merkwürdiges: Es wirkt. Zwanzig Minuten, vielleicht eine Stunde.
Dann ist alles wieder da.
Also tropft man öfter. Und öfter.
Ob du also bisher nichts gemacht hast oder schon eine Flasche im Nachtschrank stehen hast, du landest an derselben Stelle.
Denn beides ändert nichts an dem Ort, an dem das Problem entsteht.
Und der ist nicht der Tag.
Es ist die Nacht.
Im Schlaf geht deine Tränenproduktion fast auf null. Sieben, acht Stunden lang bekommt die Augenoberfläche kaum noch Flüssigkeit.
Bei vielen Menschen schließt das Lid nachts außerdem nicht vollständig. Ein schmaler Spalt reicht schon.
Die Oberfläche trocknet aus. Das Lid liegt trocken auf der Bindehaut.
Deshalb ist der Morgen der schlimmste Moment des Tages.
Und deshalb läufst du danach nur noch hinterher. Du behandelst tagsüber etwas, das nachts passiert ist.
Tropfen sind dafür schlicht nicht gebaut. Sie sind dünnflüssig, sie werden schnell abtransportiert, und nachts kannst du nicht nachdosieren.
Bei Frauen kommt ab einem gewissen Alter noch ein zweiter Punkt dazu.
Mit den Wechseljahren verändert sich der Hormonhaushalt, und damit auch die Zusammensetzung des Tränenfilms.
Die schützende Fettschicht wird instabiler. Die Tränenflüssigkeit verdunstet schneller.
Nach Angaben der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft haben nahezu zwei Drittel aller Frauen in und nach den Wechseljahren mit trockenen Augen zu tun.
Das heißt: Die Nacht ist ohnehin die kritischste Phase, und dein Tränenfilm bringt gerade weniger Widerstandskraft mit als früher.
Es liegt also nicht daran, dass du zu wenig tropfst.
Es liegt daran, dass die Nacht bisher komplett unversorgt bleibt.